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    EIN KAJAKTRIP MIT KIM GOES EKO

    14. März 2019

     

    Zwei Kajaks, ein einsamer See im schwedischen Hinterland und interessante Gespräche mit einer tollen Frau! Für dieses Interview durfte ich die liebe Kim Gerlach auf einen Kajakausflug begleiten. Wir von glore kennen Kim und ihren Blog kimgoeseko jetzt schon seit 4 Jahren! Es wurde daher höchste Zeit, dass wir uns mal wieder mit ihr getroffen haben, um an unser letztes Interview in 2015 anzuknüpfen. Während wir also kreuz und quer auf dem See herumschipperten, ließen wir uns in unserem Gesprächsfluss treiben und tauchten dabei in verschiedene Lebensabschnitte der inspirierenden und liebenswerten Kim ein.

     

     

    KIMS FAIR FASHION EXPERIMENT 2015

    S: In unserem letzten Interview ging es um dein damals bevorstehendes Experiment, ein Jahr lang komplett auf Fast Fashion zu verzichten. Dein Fazit dazu?

    K: Ganz viele Leute waren damals skeptisch. Kommentar von meiner Mama: „Du schaffst das eh nie!“ Und meine beste Freundin meinte so „Spinnst du?!“. Man muss aber dazu sagen, dass Nachhaltigkeit auch einfach noch nicht so im Mainstream angekommen war. Selbst das Verständnis von Leuten, die achtsam leben, war gegenüber Kleidung noch nicht da. Sie machen Yoga, achten auf ihre Ernährung, aber über nachhaltige Kleidung haben sie sich wenig Gedanken gemacht. Im Vergleich zu heute gab es auch beispielsweise in Berlin nur wenige Fair Fashion Labels und viele große Anbieter hatten noch ein Öko Image. Daher habe ich viel Vintage und Second Hand gekauft. Das Jahr ging relativ schnell rum. Inklusive einer großen Sünde: Laufschuhe. Es gab zwei Anbieter und beide waren alles andere als ästhetisch. Ein Label hatte beispielsweise den 5-Zeh-Schuh. Das geht gar nicht klar! Nach langem Überlegen habe ich mir dann Adidas Schuhe gekauft. Es tat sehr weh, als ich mir zugestehen musste „Ok! Experiment nicht geglückt“. Aber ich habe einfach keine fairen Alternativen gefunden, die mir gefallen haben.

     

    VINOKILO

    S: Im Anschluss zu deinem Experiment hast du 2016 VinoKilo mitbegründet. Kannst du mir von der Entstehungsgeschichte der heute größten Pop-Up Events für Second Hand Kleidung Deutschlands erzählen?

    K: Robin hat mich damals auf meinem Blog gefunden. Er ist von Holland zurück nach Mainz gezogen, weil er eine Kleidertausch-App machen wollte. Und da wir beide mit nachhaltiger Mode arbeiten wollten, kam er auf mich zu. Meine erste Reaktion: „geil! Tauschen!“. Im Wohnzimmer von Freunden ging es los mit dem ersten Kleider-Swop-Event. Unser VinoKilo Trail hatte begonnen. Danach entschieden wir uns jedoch dazu, das mit dem Tauschen vorerst sein zu lassen und dafür lieber Vintage Kleidung anzubieten. Zunächst war ich wegen den Transportwegen ein bisschen skeptisch. Es handelte sich teilweise um gespendete Kleidung, beispielsweise aus Spendenboxen des deutschen oder österreichischen Roten Kreuz. Erst wusste ich nicht ob ich das ethisch mitmachen will, aber dann habe ich verstanden, welchen Impact wir leisten können, wenn wir die Kleidung retten. Dieses Jahr feiert VinoKilo seinen 3. Geburtstag.

     

    MASTERSTUDIUM „LEADERSHIP FOR SUSTAINABILITY“ IN MALMÖ

    S: Genau wie Sophie und Anna von hejhej-mats, Sam von SeljakBrand oder Fabian von reCup hast auch du den Master „Leadership for Sustainability“ in Malmö studiert. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

    K: Stimmt, Fabian! Mit Sophie, Anna und Sam habe ich studiert. Fabian war ein Jahr vor uns fertig. Jess von Mit Ecken & Kanten war auch zur gleichen Zeit in Schweden! Ich war mit VinoKilo super beschäftigt und dachte mir, dass ich noch mehr über das Thema Nachhaltigkeit an der Uni lernen will. Wegen VinoKilo hatte ich nur limitierte Zeit. Deshalb habe ich nach einjährigen englischsprachigen Masterstudiengängen im Bereich „Nachhaltigkeitsmanagement“ gesucht. So bin ich auf „Leadership for Sustainability“ gestoßen. Schweden war eigentlich meine dritte Wahl. Ich wollte unbedingt nach Tel Aviv, da gab es einen super interessanten Master. Meine zweite Wahl war Rotterdam. Sowohl der Masterstudiengang als auch die Professoren dort sind erstklassig. Am Ende wurde es Schweden. Ich hatte zuvor noch nie was von Malmö University gehört, aber der Studiengang und die Stadt hörten sich ganz cool an. Aber ich muss zugeben, ein bisschen traurig war ich schon, als mir Tel Aviv abgesagt hat.

    S: Warst du seitdem in Israel?

    K: Nein noch nicht, aber steht auf meiner Liste. Für diesen Trip will ich mir richtig Zeit nehmen.

     

    BLOG KIMGOESEKO

    S: Willst du mir von deinem Blog erzählen?

    K: Mein Bezug zu Kleidung hat sich durch den Blog sehr verändert. Der Blog war damals eigentlich nur da, um mir selbst Druck aufzubauen. Im Sinne von: „Ich will jetzt nicht mehr shoppen“. Das ist genauso wie wenn ein Raucher sagt „ok, ich will jetzt nicht mehr rauchen“. Sobald er aber seinen Freunden und seiner Familie erzählt, dass er jetzt aufhört, ist der soziale Druck ganz anders. Und das war mit dem Blog auch so.

    S: Dein Blog hieß zunächst ‚kimgoesöko‘, heute heißt er ‚kimgoeseko‘. Wieso der Switch?

    K: Das Wort ‚öko‘ kam daher, dass ich mir dachte, dieser Begriff ist so negativ belastet, dass es cool ist, wenn eine 22-Jährige mal frischen Wind reinbringt. Und lustigerweise ist jetzt wohl in Deutschland Ökofluencer ein richtiges Buzzword. Ich freue mich darüber total, weil die Leute endlich verstanden haben, dass ‚öko‘ cool ist! Der Switch kam, als ich gemerkt habe, dass vor allem international das Wort ‚öko‘ sehr schwer zu buchstabieren ist. Im Schwedischen zum Beispiel gibt es den Buchstaben ‚ö‘ auch gar nicht. Deshalb dachte ich mir, nehme ich das schwedische ‚eko‘, weil es einfach leichter zu schreiben ist und für alle besser verständlich ist. Da ich auf dem Blog auch nur auf Englisch schreibe, passt es ganz gut.

     

    KIMS PRIVATER KLEIDERSCHRANK

    S: Ich habe dich 2016 in Malmö kennengelernt, als mich eine gemeinsame Freundin zu einer deiner privaten Kleider-Swop-Parties in deine schöne schwedische Wohnung mitgenommen hat. Wie sieht dein Kleiderschrank heute aus?

    K: Stimmt, das war eine coole Party! Müsste ich eigentlich mal wieder machen. Wobei ich gar nicht mehr viel Kleidung besitze. Auf meiner Kleiderstange hängt einmal Sommer- und einmal Winterkleidung. Und dann noch ein paar Übergangssachen. Viele meiner Kleiderbügel sind aktuell auch leer. Das ist mir seitdem ich in Malmö wohne auch noch nicht passiert. Ich habe fleißig aussortiert!

    S: Ein befreiendes Gefühl finde ich.

    K: Total! Mein Bezug zu Kleidung ist nicht mehr so: „Ich muss das schaffen, weil ich Lust auf shoppen hab.“ Einkaufen ist für mich einfach nicht mehr eine Beschäftigung, wie es früher mal war. Jetzt gönne ich mir von dem gesparten Geld eine leckere Fika oder ein schwedisches Bier.

     

    10×10 CHALLENGE

    S: Zehn Tage lang nur zehn Kleidungsstücke in verschiedenen Kombinationen tragen und damit die Vorteile einer minimalistischen Garderobe erfahren. Du hast die 10×10 Challenge auch schon mehrmals gemeistert. Anstrengend oder immer wieder gerne?

    K: Love it! Als ich es zum ersten mal gemacht habe, ging es richtig gut. Ich habe es jetzt glaube ich vier Mal gemacht. Jedes mal lerne ich was anderes dazu. Mal ist es so: „Chillig! Geht voll klar! Macht voll Spaß!“ Beim zweiten Mal war ich gerade auf Reisen. Zehn Tage Chicago. Perfekt, dachte ich, mache ich ein 10×10. Aber es hat vorne und hinten nicht geklappt, weil ich keine Möglichkeit zum Waschen hatte. Das war echt anstrengend. Du bist reisen und packst ein stinkiges Teil zu all den frischen Teilen im Rucksack. Dann ziehst du das in der nächsten Stadt an und plötzlich stinkt alles nach Schweiß. Während meines letzten 10×10 war ich in drei verschiedenen Städten und hatte das Problem, dass ich verschiedene Occasions hatte. Für Drivhuset habe ich einen Workshop gehalten. Am Wochenende war ich feiern. Da hat alles nicht wirklich zusammengepasst. Es war zu wenig durchdacht. Mein Fazit: 10×10 mache ich nicht mehr, wenn ich auf Reisen bin. Aber abgesehen davon liebe ich es. Du stehst auf und denkst dir so: „Achja, heute nehme ich das.“ Das spart dir so viel Zeit!

     

    DRIVHUSET

    S: Du arbeitest jetzt schon seit ca. 1,5 Jahren bei Drivhuset und coacht täglich angehende Entrepreneurs auf ihrem Weg zur Verwirklichung ihrer Businessideen und Projekten. Was war das Spannendste, das du in der Zeit bei Drivhuset erlebt hast?

    K: Definitiv das Fempreneur Weekend! Wir haben 20 Females für ein Wochenende in ein schwedisches Landhaus gepackt. Kein Internet, eine Sauna, viel Rotwein und verschiedene Workshops. Es ging darum, sich gegenseitig kennen zu lernen und haben schnell festgestellt, je mehr wir uns gegenseitig unterstützen, desto weiter kommen wir. Das war vielleicht ein emotionales Wochenende! Meine Kollegin Josefin und ich sind super gestresst hingefahren und in der ersten Sekunde als wir ankamen, helfen uns alle die Sachen auszupacken. Wir dachten auch, dass alle Mädels auf den Sofas sitzen, während wir zwei kochen. Aber ganz im Gegenteil, alle haben mit angepackt. Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie schön die Atmosphäre war mit all den erfolgreichen Females ein Wochenende zu verbringen. Man hat einfach nicht so oft die Chance, ein derartiges Get Away Weekend zu machen. Es gab viele Tränen, viele Emotionen und viel Vulnerability! Wenn wir nochmal die Chance haben, ein Fempreneur Weekend zu organisieren, dann sollten wir das definitiv nochmal so machen. Mein absoluter Favorit aller meiner Drivhuset Projekte!

     

    BERLIN FASHION WEEK, CPH FASHION SUMMIT, CAPSULE WARDROPE UND CO.

    S: Ich habe mir deine Rede beim Copenhagen Fashion Summit und ein paar der #Prepeek Talks der Berlin Fashion Week angesehen. Wow! Ich kann nur jedem ans Herz legen sich all die spannenden Talks anzusehen! Dieses Jahr wieder?

    K: Ja ich hoffe, dass ich dieses Jahr wieder bei der #Prepeek dabei sein kann. Das ist noch im Gespräch. Aber ja ich gehe wieder zum Copenhagen Fashion Summit. Das war wirklich das BESTE Event auf dem ich je für nachhaltige Mode war. Da sitzt einfach Stella McCartney neben Sustainability H&M, Walmart usw. Und wir stehen auf der Bühne und sagen denen: Ihr macht einfach Scheiße! Dieses Jahr wieder. Ich glaube nicht, dass ich da nochmal sprechen werde, aber ich freue mich einfach dabei zu sein.

    S: Was liegt aktuell noch so in deiner Pipeline?

    K: Ich style gerade eine Capsule Wardrope. Fairnica macht monatliche Kleiderabos und im April kommt ein Kleiderabo gestylt von mir raus. Eine Kapsel besteht aus 5-7 Fair Fashion Kleidungsstücken, aus denen man dann mehr als 30 verschiedene Outfits kreieren kann. Das hängt auch so bisschen mit einer 10×10 Challenge zusammen. Ich habe jetzt meine erste Kapsel gestylt und dafür Kleidungsstücke verschiedener Labels kombiniert. Diese Woche machen wir noch die passenden Fotos dazu. Ansonsten habe ich noch PR Samples für meinen Blog hier liegen, aber das sind so Kleinigkeiten, die immer so von der Seite reinkommen.

     

    DIE FARBE „GELB“

    S: Ich verbinde kimgoeseko mit der Farbe „gelb“. Was hat es damit auf sich?

    K: Als ich klein war, war mein Lieblingskleidungsstück ein dunkelblaues Kleid mit großen Sonnenblumen. Ich wollte aus diesem Kleid einfach nicht rauswachsen, weshalb ich es solange getragen habe, bis es mir an den Armen richtig eingeschnitten hat. Es ging soweit, dass ich davon blaue Flecken und Blutergüsse bekommen habe. Das ist meine erste Erinnerung an die Farbe gelb. Aber vielmehr kam es von der Insta Community. Ich bekam immer öfters Nachrichten wie „Hey Kim, gelb steht dir voll!“ und „Du bist so positiv, wie dein gelbes Oberteil“. Dann dachte ich mir: Alright! Wenn ihr das so seht, dann machen wir das doch so. Seitdem versuche ich mein Instagram und meine Blog auch gelber zu gestalten. In der Tat hatte ich auch schon auf meinem kimgoesöko Blog ein gelbes Logo. Ich finde gelb ist eine sehr glückliche Farbe! Ich habe auch einen Blogpost über die Farblehre gelb geschrieben. Einfach weil es mich interessiert hat.

     

    KEIN VORSATZ FÜR 2019

    S: Hast du irgendwelche Vorsätze für das aktuelle 2019?

    K: Ich bin kein Fan davon sich Jahresziele zu setzen. Ich bin mehr reflektiv und schaue mir das Jahr davor an und merke: „das werde ich so weiter machen. Das nicht“. Wir haben jetzt Mitte März und ich muss zugeben, dass ich bisher noch nicht so zufrieden bin. Letztes Jahr war ich so gut in meiner Work-Life-Balance und ich bemühe mich, dass ich das wieder zurückbekomme. Im Moment ist es eher eine Work-Work-Balance. Ich hoffe ich komme wieder in meinen Flow. Ich brauche Stress, definitiv, ich bin sehr stressresistent. Aber ich brauche zwischendurch dann wieder diese „Entspannmomente“. Solange ich die immer wieder habe, ist alles gut, da kannst du mich stressen wie du willst, solange ich mich danach hinsetzen kann ist alles easy. Und das ist eben dieser Wandel, mit Hoch und Tiefs, ein- und ausatmen, Tag und Nacht. In diesem Wechsel, in diesem Rhythmus bin ich noch nicht. Und ich hoffe, dass ich das so ab Mai irgendwie wieder hinbekomme.

    S: Ganz bestimmt! Sobald in Schweden die Sonne wieder öfters scheint und die Tage wieder länger werden, pendelt sich das wieder ein!

     

     

    DANKE KIM!

    Danke für deine Zeit, deine ehrlichen Worte und diesen wunderbaren Ausflug in die schwedische Natur! Danke auch an Hanna Hempel und Sara Rós Ellertsdóttir für die schönen Fotos!