FREITAG F-ABRIC - Es war im Januar. Berlin Fashion Week. Es ist bitter kalt in der Hauptstadt. Doch wir haben Glück. Wir sind bei FREITAG eingeladen. Dort gibt es warme Suppe und schweizer Bier. Markus und Daniel, die beiden FREITAG-Brüder geben die Suppe aus. Dazu bekommt jeder ein eigenes Lätzchen um den Hals und sieht damit gar nicht schlecht aus. Denn die Lätzchen sind aus den schönen neuen F-ABRIC-Stoffen von FREITAG. Stoffe? FREITAG macht doch Taschen. Ja. Und jetzt auch Mode. Eigentlich hatte keiner bei FREITAG die Intention ins Modebusiness einzusteigen. Ganz im Gegenteil. Das Label suchte lediglich nach geeigneter Arbeitskleidung für die Mitarbeiter in der Fabrik, wo Taschen und Co hergestellt werden. Doch auf der Suche danach, merkten die Brüder Markus und Daniel Freitag sehr schnell, dass sie nach etwas suchten, das es noch gar nicht gibt: Einen robusten, konsequent nachhaltig produzierten und kompostierbaren Stoff, der in Europa hergestellt wird. Was es nicht gibt, muss...
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FREITAG F-ABRIC

Von , 28.06.2018

Es war im Januar. Berlin Fashion Week. Es ist bitter kalt in der Hauptstadt. Doch wir haben Glück. Wir sind bei FREITAG eingeladen. Dort gibt es warme Suppe und schweizer Bier. Markus und Daniel, die beiden FREITAG-Brüder geben die Suppe aus. Dazu bekommt jeder ein eigenes Lätzchen um den Hals und sieht damit gar nicht schlecht aus. Denn die Lätzchen sind aus den schönen neuen F-ABRIC-Stoffen von FREITAG. Stoffe? FREITAG macht doch Taschen. Ja. Und jetzt auch Mode.

Eigentlich hatte keiner bei FREITAG die Intention ins Modebusiness einzusteigen. Ganz im Gegenteil. Das Label suchte lediglich nach geeigneter Arbeitskleidung für die Mitarbeiter in der Fabrik, wo Taschen und Co hergestellt werden. Doch auf der Suche danach, merkten die Brüder Markus und Daniel Freitag sehr schnell, dass sie nach etwas suchten, das es noch gar nicht gibt: Einen robusten, konsequent nachhaltig produzierten und kompostierbaren Stoff, der in Europa hergestellt wird. Was es nicht gibt, muss dann eben selbst gemacht werden und so war sie ganz ungeplant geboren: Die Idee von F-ABRIC.


FREITAG denkt und handelt in Kreisläufen

Und dann ging es richtig los mit dem Denken und den Ideen für das neue Projekt: Müssen Textilien denn dreimal um die Welt reisen, bevor wir sie anziehen können? Gibt es Fasern, die auch im europäischen Klima gedeihen? Können Stoffe und Kleider ohne Giftstoffe hergestellt werden? Warum sehen Ökoklamotten nie wirklich gut aus (Anmerkung von glore: das halten wir für ein Gerücht)? Wie langlebig ist nachhaltig? Kann man Kleider kompostieren? Fragen über Fragen, für deren Beantwortung sich FREITAG gegenläufig des üblichen Modezirkus bewusst viel Zeit gelassen hat.

Gemeinsam mit einer eigens für das neue Projekt eingestellten Textil-Ingenieurin, einer Designerin und Musterschneiderin hat FREITAG in den letzten fünf Jahren Materialien entwickelt, die ohne Ressourcenverschwendung, Schadstoffe und lange Transportwege auskommen und außerdem noch fair produziert werden. Und der Stoff kann noch mehr: Die Kleidungsstücke aus der F-ABRIC Kollektion eignen sich für den harten Einsatz in der Fabrik und auch für die noch härtere Party danach. Und falls die Teile dann doch irgendwann einmal abgetragen sind, kann man sie guten Gewissens auf den Kompost werfen und später das Gemüse damit düngen. Kreislaufwirtschaft quasi.


Auf europäischem Boden gewachsen und verarbeitet

Die F-ABRIC-Stoffe bestehen aus Hanf und Leinen sowie aus Modal. Das sind alles Ressourcen, die auf europäischem Boden wachsen. Und das ohne diesem zu schaden oder unnötig viel Wasser zu verbrauchen. Im Vergleich zu den Produktionswegen herkömmlicher Textilien, ist die Reise von der Faser zum fertigen F-ABRIC Produkt ein entspannter Kurztrip. Alle Produktionsschritte finden in maximal 2500 km Entfernung von Zürich statt.

   

Das Leinen kommt beispielsweise von Flachsfeldern in der Normandie. Die Familie Cabot bewirtschaftet dort in der sechsten Generation ihren Betrieb und verfügt so über 90 Jahre Erfahrung und Kompetenz im Flachsanbau. Nach so langer Zeit kennen sie ihren Boden genau. Aber Flachs ist kein einfaches Kraut und so lernen die Cabots immer noch etwas dazu. Keine Faser ist wie die Andere, kein Jahr wie das Letzte - die Natur der Naturfaser.

 

In der Normandie geerntet und verarbeitet, wird die Flachsfaser dann direkt in die familiengeführte Weberei in Mailand transportiert. Zio, der Inhaber der Weberei und sein Neffe sind Weber aus Leidenschaft und lieben komplizierte Herausforderungen wie die Entwicklung der F-ABRIC-Stoffe. In Zusammenarbeit mit der italienischen Weberei und einer portugiesischen Strickerei sind nun drei unterschiedliche Stoffe entstanden. Der Hosenstoff "Broken Twill" war die größte Herausforderung. Es brauchte unzählige Versuche, bis es dem Team gelang das Leinen- und Hanfgarn zu einem dichten, scheuer- und reißfestem Stoff zu verweben. Für Hosentaschen wird der reisfeste "Herringbone-Leinenstoff" verwendet. T-Shirts und Longsleeves werden aus weichem, atmungsaktivem und feuchtigkeitstransportierendem "Jersey Strick", einem Mischgewebe aus Modal, Leinen und Hanf, genäht.


Genäht wird in Polen

Von Italien geht’s dann weiter nach Polen. Die erstklassigen und erfahrenen Näherinnen in Stettin sind der Herausforderung und den Ansprüchen der F-ABRIC Kollektion gewachsen. Das Team in Polen hatte schon mit ähnlichen Materialien zu tun, aber die Stoffe von FREITAG sind dennoch auch für alte Hasen eine besondere Herausforderung. Denn nicht nur die Stoffe, sondern auch das Garn aus 100% pflanzlichem Lyocell und das Webband aus Leinen sind neu. Die Näherinnen nähen an den einzelnen Teilen länger als an herkömmlichen Kleidungsstücken, da sich Stoff und Faden anders verhalten als gewohnt. Aber Übung macht den Meister und die Meisternäherinnen nähen nun mit viel Liebe die Kleidungsstücke der F-ABRIC Kollektion.


Der F-Knopf

Eine kleine große Ausnahme im Cradle-to-Cradle-System von F-ABRIC ist der F-Knopf. FREITAG hat natürlich auch hier gefragt, gesucht und geforscht. Doch nirgends ließ sich ein kompostierbares Material finden, das sich für einen wirklich robusten Hosenknopf eignet. Gibt’s nicht, geht nicht. Deshalb hat das Label einen eigenen Knopf entwickelt, der Generationen überdauert und für immer hält. Aus Metall gefertigt ist er leider nicht kompostierbar. Aber auch da haben sich die schweizer Köpfe etwas einfallen lassen: Zum einen lässt sich der Knopf abschrauben und so einfach wiederverwerten. Zum anderen kannst man sich den eigenen Hosenknopf individuell prägen lassen, zum Beispiel mit deinen Initialen. Spätestens dann möchtest du den Knopf sowieso nicht mehr hergeben. Wie gut also, dass du ihn abschrauben kannst!


Alles für den Kompost


Sollte es irgendwann so weit sein und dein F-ABRIC Teil hat das zeitliche gesegnet, kannst du es getrost auf den Kompost werfen. Der Stoff und alles was dazu gehört löst sich in etwa drei Monaten vollständig auf. Für ein rückstandsloses Verschwinden braucht es nur die Feuchtigkeit und Wärme des Komposthaufens sowie die Hilfe seiner fleißigen Bewohner.


Styles aus dem Stoff der Zukunft

 

Die kleine aber feine F-ABRIC Kollektion besteht aus einer Workpant, einem Longsleeve, einem Workdress (ein super tolles Latzkleid) und einem T-Shirt für Damen. Für die Herren der Schöpfung gibt es eine Workpant, ein T-Shirt und ein Longsleeve. Was alle vereinen: Die Produktion ist sauber, die Stoffe super angenehm zu tragen, die Schnitte einfach und ehrlich, und die Endprodukte sehr langlebig und hochwertig. Danke FREITAG, dass ihr das geschafft habt, was sich bisher keiner getraut hat. Wir sind begeistert!


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