Lyocell/Tencel: Eine Regeneratsfaser als Alternative zur Baumwolle   Was sind die allgemeinen Eigenschaften von Tencel? * sehr vielseitig in der Anwendung * je nach Verarbeitung kann ein seidiger, wildleder- oder lederartiger Griff simuliert werden * gute Reißfestigkeit im nassen Zustand * knitterresistent * strapazierfähiger als Baumwolle * nimmt Feuchtigkeit sehr gut auf Wie nachhaltig ist Tencel? + sehr strapazierfähig und damit langlebig + biologisch abbaubar, da zum Großteil aus Zellulose + nachwachsender Rohstoff, zumeist Eukalyptusholz + Eukalyptus hat eine sehr hohe Ausbeute an Biomasse + Eukalyptus braucht kaum Pestizide und Herbizide beim Anbau + von Lenzing verarbeitetes Holz stammt immer aus FSC-zertifizierten Wäldern + Weiterverarbeitung funktioniert nach closed-loop System, verwendete Chemikalien werden also wiederverwendet -  dichtgepflanzte Eukalyptusplantagen tragen nachweislich zur Erhöhung der Waldbrandgefahr bei -  hoher...
Lexikon

Tencel

Lyocell/Tencel: Eine Regeneratsfaser als Alternative zur Baumwolle

 

Was sind die allgemeinen Eigenschaften von Tencel?

* sehr vielseitig in der Anwendung
* je nach Verarbeitung kann ein seidiger, wildleder- oder lederartiger Griff simuliert werden
* gute Reißfestigkeit im nassen Zustand
* knitterresistent
* strapazierfähiger als Baumwolle
* nimmt Feuchtigkeit sehr gut auf


Wie nachhaltig ist Tencel?

+ sehr strapazierfähig und damit langlebig
+ biologisch abbaubar, da zum Großteil aus Zellulose
+ nachwachsender Rohstoff, zumeist Eukalyptusholz
+ Eukalyptus hat eine sehr hohe Ausbeute an Biomasse
+ Eukalyptus braucht kaum Pestizide und Herbizide beim Anbau
+ von Lenzing verarbeitetes Holz stammt immer aus FSC-zertifizierten Wäldern
+ Weiterverarbeitung funktioniert nach closed-loop System, verwendete Chemikalien werden also wiederverwendet
-  dichtgepflanzte Eukalyptusplantagen tragen nachweislich zur Erhöhung der Waldbrandgefahr bei
-  hoher Wasserbedarf, teils mit verheerenden Folgen (Grundwasserspiegel sinkt, Gewässer versiegen)

 

Was macht Tencel besonders?

Anbau und Ernte

Lyocell ist eine sog. Regeratsfaser, die aus Zellulose, zumeist Holz, gewonnen wird. Weltweit größter Anbieter ist die österreichische Lenzing AG, die die Faser unter dem Markennamen Tencel produziert. In ihren Eigenschaften vergleichbar ist die Faser im weitesten Sinne mit der bekannteren Regeneratsfaser Viskose, allerdings ist sie deutlich umweltschonender in Faseranbau und –gewinnung.
Aktuell wird Tencel hauptsächlich aus Eukalyptus gewonnen, ein Material, das in vielen Aspekten nachhaltig ist. Es handelt sich um einen nachwachsenden Rohstoff, der auch in relativer Nähe zum Absatzmarkt angebaut werden kann, etwa Spanien oder Portugal. Dies spart CO2-Emissionen ein, da längere Transportzeiten unnötig werden.
Eukalyptus gilt zudem als sehr ertragreiche Pflanze, die auf der gleichen Fläche Acker deutlich mehr Biomasse produziert als bspw. die weitaus verbreitetere Baumwolle. Tencel-Hersteller Lenzing spricht sogar von einem Verhältnis von einem Baumwollshirts zu zehn Tencel-Shirts, die produziert werden können bei einer Nutzung von 6m2 Ackerfläche. Für diesen hohen Ertrag ist kaum oder keinerlei Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig, da Eukalyptus sehr ölhaltig ist und dieses Öl natürlich antibakteriell, antiseptisch und gegen Pilze wirkt.
Ein großes Problem stellt der vergleichsweise hohe Wasserbedarf der Pflanze dar. Bis zu 30 Liter am Tag sind nötig für einen Baum. In diesem Zusammenhang wurde berichtet von vielen weiteren Problemen wie das Absinken des Grundwasserspiegels in den betroffenen Gebieten und dem Austrocken ganzer Flüsse im Sommer. Ausgetrocknete Böden in Kombination mit der sehr ölhaltigen Pflanze stehen zudem im Verdacht die Waldbrandgefahr in den Anbauregionen erheblich zu erhöhen, noch zusätzlich begünstigt durch die häufig vorherrschenden Monokulturen.
Der Zulieferer Lenzing, der für die von uns angebotenen Marken produziert, verwendet ausschließlich Holz aus FSC zertifizierten Eukalyptuswäldern, das bedeutet, dass diese Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden und Problematiken wie Monokulturen und ausgelaugte Böden gar nicht erst aufkommen.


Weiterverarbeitung

In verschiedenen Schritten entsteht aus dem Holz-Fasern ein Garn, das schlussendlich zu einem Textil verarbeitet werden kann. Dazu wird das Eukalyptus-Holz zunächst zerkleinert und mit NMMO (N-Methylmorpholin-N-Oxid) und Wasser gemischt. Die Zellulose beginnt sich aufzulösen, da die Mischung bei gleichzeitigem Vakuum erhitzt wird. Die Mischung aus Wasser und Zellulose wird nun zur sog. Spinnlösung, aus der in weiteren Stufen Tencel-Fäden geformt werden.
Das eigentlich Besondere bei diesem Prozess ist die fast vollständige Kreislaufführung des Lösungsmittels, das nahezu zu 100% wiedergewonnen und –verwendet werden kann. Dennoch entstehende Abwässer werden in biologischen Kläranlangen abgebaut.

 

Wie pflegt man Tencel richtig?


Vorab: Da Tencel in vielen Variationen auftritt, sollte primär stets die Waschanleitung des Herstellers beachtet werden, um eine Beschädigung des Textils zu vermeiden.

*Waschen:
Waschen bei bis zu 60°C möglich, zumeist ist aber 30°C vollkommen ausreichend
Bunt- und Vollwaschmittel vermeiden, da sie die Faser brüchig machen, zum Waschen flüssiges Feinwaschmittel (für Wolle, Seide, etc.) verwenden
Bei Handwäsche ist Haarshampoo ebenfalls geeignet

*Trocknen:
Nicht notwendig, da die Faser schnell trocknet

*Bügeln
Bügeln bei leichtem Druck und niedriger Temperatur, da die Faser spröde wird, wenn sie häufig großer Hitze und Druck ausgesetzt ist

*Fleckenbehandlung:
Chlorbleiche schwächt die Faser und macht sie brüchig, am besten und schonendsten ist es den Fleck vorsichtig mit einem feuchten Tuch zu bearbeiten und anschließend das gesamte Textil zu waschen